Proben, Impfstoffe, Reagenzien, Lebensmittelmuster: Manche Sendungen dürfen unterwegs keine Minute zu warm werden. Trockeneis ist dafür das einfachste Mittel – es hält rund −78 °C, braucht keinen Strom und hinterlässt keine Flüssigkeit. Genau deshalb steckt es in fast jeder tiefgekühlten Expresssendung.
Was viele unterschätzen: Trockeneis ist im Transport Gefahrgut. Nicht wegen der Kälte, sondern wegen des Gases. Und die meisten Sendungen, die am Flughafen liegen bleiben, scheitern nicht an der Ware, sondern an einer fehlenden Angabe auf dem Karton.
Dieser Text erklärt die Regeln, die für jeden Trockeneisversand gelten – und am Ende, wie der Ablauf konkret aussieht, wenn deine Sendung im Großraum München startet.
Warum Trockeneis als Gefahrgut gilt
Trockeneis ist gefrorenes Kohlendioxid. Es schmilzt nicht, sondern geht direkt in Gas über – und dabei wird aus einem Kilogramm rund 500 Liter CO₂. Daraus ergeben sich zwei Risiken, die den Transport bestimmen:
- Druck. In einem dicht verschlossenen Behälter baut das entstehende Gas so viel Druck auf, dass die Verpackung platzen kann.
- Verdrängung von Sauerstoff. CO₂ ist schwerer als Luft und sammelt sich unten. In einem geschlossenen Laderaum, einem Aufzug oder einem kleinen Lagerraum kann das gefährlich werden, lange bevor man etwas riecht.
Im Transportrecht läuft Trockeneis deshalb als UN 1845, Klasse 9 – „verschiedene gefährliche Stoffe". Für den Luftverkehr gilt die Verpackungsanweisung 954 der IATA-Gefahrgutvorschriften.
Die Ware selbst ist meist völlig harmlos. Gefahrgut ist das Kühlmittel – und genau das wird beim Buchen am häufigsten vergessen.
Die Verpackung muss atmen
Das ist die Regel, gegen die am häufigsten verstoßen wird: Eine Trockeneissendung darf niemals gasdicht verschlossen sein. Das entstehende CO₂ muss entweichen können.
In der Praxis heißt das:
- Isolierbox aus EPS oder PU, die das Gas an den Rändern passieren lässt – kein hermetisch verschweißter Behälter.
- Kein umlaufendes Klebeband, das den Deckel luftdicht abschließt.
- Das Trockeneis liegt oben oder rundherum, nicht darunter. Kalte Luft sinkt.
- Der Außenkarton muss stabil genug sein, dass die Isolierung im Umschlag nicht zusammengedrückt wird.
Wichtig auch für den eigenen Betrieb: Beim Packen gehören dicke Handschuhe dazu, und der Raum muss belüftet sein. Trockeneis verursacht bei direktem Hautkontakt in Sekunden Kälteverbrennungen.
Was auf das Paket und in die Papiere gehört
Wenn Trockeneis nur als Kühlmittel für eine ansonsten ungefährliche Ware dient, ist der Aufwand überschaubar – aber er ist nicht null. Auf die Sendung gehören:
- die UN-Nummer 1845 und die Bezeichnung „Trockeneis" bzw. „Kohlendioxid, fest",
- das Gefahrzettel der Klasse 9,
- die Nettomenge Trockeneis in Kilogramm pro Packstück,
- Absender und Empfänger, gut lesbar.
Die Menge ist keine Formalie. Die Airline rechnet damit, wie viel CO₂ im Frachtraum insgesamt entstehen kann, und plant danach. Eine geschätzte oder gerundete Angabe ist einer der häufigsten Rückweisungsgründe.
Mengengrenzen unterscheiden sich je nach Airline und Flugzeugtyp und ändern sich mit jeder Ausgabe der Vorschriften. Verlass dich nicht auf einen Wert, den du irgendwo gelesen hast – auch nicht auf einen aus diesem Text. Frag die konkrete Grenze für deine Route ab, bevor du packst.
Auf der Straße innerhalb Europas ist es einfacher: Dient Trockeneis ausschließlich der Kühlung, greift nicht die volle Gefahrgutregelung. Fahrzeug und Container müssen aber vor dem Erstickungsrisiko warnen, und jeder, der die Tür öffnet, muss wissen, was drin ist.
Wie viel Trockeneis brauchst du?
Trockeneis sublimiert kontinuierlich – wie schnell, hängt von der Isolierung, der Menge und der Außentemperatur ab. Eine belastbare Zahl kann dir niemand pauschal nennen; sie gehört für deine konkrete Box und deine Laufzeit ermittelt.
Was sich in der Praxis bewährt hat:
- Rechne mit der realistischen Laufzeit, nicht mit der geplanten. Ein Wochenende, ein Feiertag im Zielland oder eine Zollkontrolle verlängern die Strecke.
- Plane einen Puffer ein. Ein Rest Trockeneis bei Ankunft kostet ein paar Euro. Eine aufgetaute Sendung kostet die Ware – und oft die Wiederholung.
- Teste die Kombination einmal, bevor du sie regelmäßig verschickst. Box, Menge, Laufzeit: Wer das einmal sauber misst, muss nie wieder raten.
- Melde dem Empfänger die Ankunft. Eine Trockeneissendung, die zwei Tage in der Poststelle steht, ist auch mit perfekter Planung verloren.
Trockeneis im eigenen Haus lagern
Der Transport ist geregelt, die Lagerung beim Absender oft nicht – dabei passieren dort die meisten Unfälle. Drei Punkte, die in jede Arbeitsanweisung gehören:
- Nie luftdicht lagern. Eine gut schließende Kühlbox oder ein verschraubter Behälter wird durch den Gasdruck zur Gefahr. Trockeneis gehört in ein Gefäß, das nachgibt.
- Nie in kleinen, unbelüfteten Räumen. Kellerräume, begehbare Kühlzellen, Abstellkammern: Überall dort, wo sich CO₂ am Boden sammeln kann, braucht es Belüftung oder einen Sensor.
- Nie im Innenraum eines Fahrzeugs. Wer eine Box auf dem Beifahrersitz transportiert, atmet das entweichende Gas. Trockeneis fährt im belüfteten Laderaum mit.
Dazu kommt der einfachste Punkt: Wer Trockeneis anfasst, braucht Handschuhe. Nicht dünne Einweghandschuhe, sondern welche, die die Kälte wirklich abhalten.
Woran Sendungen am häufigsten scheitern
Aus der täglichen Praxis, in dieser Reihenfolge:
- Die Menge Trockeneis fehlt auf dem Karton oder stimmt nicht mit den Papieren überein.
- Die Verpackung ist dicht verklebt.
- Der Gefahrzettel Klasse 9 fehlt, weil die Ware selbst ja ungefährlich ist.
- Die Sendung geht Freitagnachmittag raus und steht das Wochenende über.
- Der Empfänger weiß nicht, dass etwas Zeitkritisches kommt.
Keiner dieser Punkte hat mit der Ware zu tun. Alle fünf lassen sich vor dem Packen abhaken.
Trockeneisversand ab München
Wir sitzen in Planegg, süd-westlich von München, und holen im gesamten Großraum München ab – von Labors und Kliniken in der Stadt über die Biotech-Standorte im Umland bis zu den Industriegebieten Richtung Norden. Für eine Trockeneissendung heißt das in der Praxis:
- Abholung am selben Tag ist im Großraum München möglich, wenn der Auftrag früh genug steht. Bei Trockeneis lohnt sich der frühe Anruf doppelt: Je kürzer die Standzeit, desto weniger Trockeneis brauchst du.
- Kurze Wege zum Flughafen. München ist ein internationaler Frachtstandort. Ob deine Sendung als Luftfracht geht oder eine Direktfahrt innerhalb Europas schneller und einfacher ist, klären wir vorher – bei Trockeneis ist die Straße öfter die bessere Antwort, als viele denken.
- Ein Ansprechpartner statt einer Hotline. Gefahrgut- und Temperaturfragen beantwortet bei uns jemand, der die Sendung danach auch betreut.
Wenn du regelmäßig aus München heraus tiefgekühlt versendest, lohnt sich einmal ein Termin, statt jede Sendung neu zu klären: Box, Menge, Route und Papiere einmal sauber festgelegt – danach läuft es.
Was du beim Buchen bereithalten solltest
Damit wir eine Trockeneissendung sauber aufsetzen können, brauchen wir vier Angaben: was transportiert wird, wie viel Trockeneis in Kilogramm pro Packstück eingesetzt wird, wohin es geht und bis wann es dort sein muss. Mit diesen vier Punkten lässt sich in wenigen Minuten sagen, ob die Route per Luftfracht oder besser per Direktfahrt läuft und welche Papiere du brauchst.
Temperaturgeführte Sendungen und Gefahrgut betreut bei uns das Spezialteam – mehr dazu auf der Seite Sonderleistungen. Für Abholungen und Direktfahrten in und um München findest du die Details auf der Seite Kurierdienst München. Und wenn du unsicher bist, ob dein Fall überhaupt unter die Gefahrgutregeln fällt: frag lieber einmal zu früh. Das Gespräch dauert fünf Minuten, eine zurückgewiesene Sendung kostet einen Tag.
Versendest du international?
SkyNet übernimmt die Zollabwicklung für dich – in 209 Ländern.
Kontakt aufnehmen